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14.06.10 07:00 Alter: 85 days

Hochschule Rosenheim Vizeweltmeister beim Solar Decathlon Europe

Von: Franz Freundorfer

Rosenheimer belegen zweiten Platz beim Solar Decathlon Europe

von Prof. Dr. Harald Krause

 

Bestes deutsches Team, bester europäischer Teilnehmer und insgesamt ein zweiter Platz beim Internationalen Hochschulwettbewerb „Solar Decathlon Europe 2010“ in Madrid – das ist das Ergebnis für das „Team IKAROS Bavaria“ der Hochschule für angewandte Wissenschaften – Fachhochschule Rosenheim.

 

Erstmals fand der Solar Decathlon vom 18. bis 27. Juni in Europa statt. Vier deutsche Teams waren beim Wettkampf um das beste energieeffiziente Haus in Madrid vertreten: Berlin, Wuppertal, Stuttgart und Rosenheim. Die Idee zum Solar Decathlon stammt von Richard King vom U.S. Department of Energy. Der Wettbewerb wurde bereits vier Mal in USA ausgetragen.

 

In der zweijährigen Projektphase sollten Studententeams ihre Ideen von einem energieeffizienten, solar betriebenen Haus realisieren. Die Häuser traten dann im Wettkampf in Madrid auf der Villa Solar gegeneinander an. In die Wertung des solaren Zehnkampfes gingen Jurywertung wie Architektur oder Nachhaltigkeit sowie harte Messwerte für Behaglichkeitskritierien und natürlich die Energiebilanz mit ein.

 

Das Rosenheimer Team, u.a. unterstützt von unserem Mitglied Prof. Dr. Harald Krause, setzte von Anfang an auf das Passivhauskonzept. Ein äußerst kompakter Baukörper, eine Holzständerkonstruktion mit Hanf und VIP gedämmt, eine effiziente Lüftungsanlage ermöglichen die Einhaltung der Passivhauskriterien an verschiedensten Standorten in Europa. Die energetische Projektierung erfolgt mit dem PHPP 2007, für die dynamische Simulation wurde die software IDA ICE eingesetzt.

Als Energiequelle dient eine 13 kWp Fotovoltaikanlage. Aufgrund der harten Behaglichkeitsanforderungen (Temperaturband 23°C bis 25°C, Luftfeuchte 40% bis 55%) und der sechs- bis achtstündigen Besucherzeiten pro Tag war eine aktive Kühlung für den Standort Madrid zum Wettkampfzeitraum unumgänglich. Dies wurde mit einer flexibel einsetzbaren Wärmepumpe realisiert, deren Abwärme für die Brauchwassererwärmung diente. Zusätzlich wurde als passive Maßnahme mit Unterstützung des ZAE-Bayern eine offene nächtliche Strahlungskühlung über die PV-Module realisiert (siehe Protokollband 31). Als Energieübergabesystem diente eine Heiz-Kühldecke sowie die Lüftungsanlage. Da am Standort Madrid mit relativ kalten Nächten zu rechnen war, wurde als weitere Kühlmaßnahme ein PCM-Speicher eingesetzt, der in der Nacht über die Außenluft ausgekühlt wurde und am Tag im Umluftbetrieb bis zu 15 kWh an Wärmeenergie abführen kann.

 

Bereits zu Beginn des Wettkampfes stellten sich die Vorteile des Passivhausansatzes heraus. Während andere Teams aufgrund der niedrigen Außentemperaturen bis zu 10°C bereits heizen mussten oder die Innenraumtemperatur auf bis zu 16°C abfiel, lag im Rosenheimer Haus ohne irgendwelche Maßnahmen der maximale Temperaturabfall bei ca. 0,5 °C.  Tagsüber wurden durch einen völlig neu entwickelten außenliegenden Sonnenschutz (Zig-Zag-Fassade) und die guten Dämmwerte die externen Wärmelasten minimiert.

 

Das Rosenheimer Team konnte mit den Behaglichkeitskriterien, der Energiebilanz und den elektrischen Geräten sowie dem Lichtkonzept alle über Messwerte beurteilten Disziplinen für sich entscheiden und lag am Ende mit 810 Punkten nur 0,9 Punkte hinter dem siegreichen Team vom Virgina Polytechnic Institute. Die anderen deutschen Teams schlugen sich mit Platz 3 für Stuttgart, Platz 6 für Wuppertal und Platz 10 für Berlin ebenfalls beachtlich. 2012 soll der Wettbewerb wieder in Madrid stattfinden, die Bewerbungsphase läuft.

 

Weitere Infos: www.sdeurope.org , http://solar-decathlon.fh-rosenheim.de/

 

Bild 1: Das Rosenheimer Team im Kampfanzug (Foto: Oliver Pausch)

Bild 2: Das Rosenheimer Solar-Passivhaus (Foto: Oliver Pausch)